Wie lebt man weiter, wenn eine Diagnose plötzlich alles verschiebt – und doch das Leben weitergeht? Bruno Kägi und Cornelia Fitzi erzählen von Routine und Vertrauen, von Angst und Gelassenheit – und davon, was es heisst, Zeit nicht zu zählen, sondern zu leben.
Das Davor
Bruno Kägi ist Schreiner, in der Region Winterthur aufgewachsen – einfach, wohlbehütet, mit beiden Füssen am Boden. Er war lange Junggeselle, mochte klare Strukturen und ein ruhiges Leben. Cornelia Fitzi stammt aus derselben Gegend. Auch sie wuchs einfach auf, mit Hunden, Nähe und Verlässlichkeit. Aus einer früheren Beziehung hat sie einen Sohn.
Kennengelernt haben sich die beiden 2011 beim Feierabendbier in der Stammbeiz. Sie war mit Freundinnen dort, er allein. «Ich habe ihn erkannt», erzählt Cornelia. «Er kam früher oft in meine Bäckerei und hat sich sein Brötli geholt.» Bruno schüttelt den Kopf. «Daran erinnere ich mich nicht.»
Was sie verbindet, ist Bodenständigkeit – und der gemeinsame Hund, Shayen. Spaziergänge wurden schnell zu ihrem Ritual: reden, schweigen, draussen sein. Nur eines blieb schwierig: die Zeit. Sie arbeitete nachts, er tagsüber. Begegnungen waren knapp, oft auf die Spaziergänge beschränkt. «Manchmal war das fast wie Schichtwechsel», sagt Cornelia. «Aber irgendwie hat es funktioniert.»