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12.18.2025

Leben

Diagnose Rektumkarzinom

«Ich lebe das Leben. So bin ich.»

Statt Angst oder Verzweiflung wählte Claudia Schatt nach der Diagnose Rektumkarzinom einen anderen Weg: annehmen, verstehen und dem Leben weiter vertrauen. Ihre Geschichte zeigt, wie viel Kraft in leisen Entscheidungen liegt – und wie individuell ein guter Weg durch die Erkrankung aussehen kann.

Wer ist Claudia Schatt?

Claudia Schatt wirkt auf den ersten Blick ruhig und präsent. Sie hört zu, bevor sie spricht. Geboren 1974, aufgewachsen mit vier Brüdern, ist sie jemand, der gerne auf vertrautem Boden bleibt. «Ein bisschen stur», sagt sie über sich selbst, gemütlich und sicherheitsliebend. Veränderung muss für sie Sinn ergeben – sonst lässt sie sie lieber sein.

Sie arbeitet im Verkauf, mag den direkten Kontakt mit Menschen und ist leidenschaftliche HCD-Fan. Ihr Leben war lange stabil, überschaubar, gut. Und genauso mochte sie es.

Die Diagnose – ein Moment, den sie still eingeordnet hat

Kurz vor einer Reise zur Eishockey-WM 2023 bekam sie Magen-Darm-Beschwerden. Der Arztbesuch beruhigte sie zunächst. Nach der Reise verschlechterte sich alles wieder, und als sie Blut im Stuhl bemerkte, wusste sie, dass etwas nicht stimmt.

Die Untersuchungen gingen schnell. Rektumkarzinom. Sie erinnert sich an diesen Moment. Nach aussen blieb sie ruhig. Innerlich war klar: Das ist ernst. Aber sie sagt heute: «Ich habe es einfach wahrgenommen.» Keine grosse Szene. Kein Zusammenbruch. Eher ein Schritt in eine Realität, die sie nicht gewählt hat, aber annehmen musste.

Annehmen – in ihrem Tempo, auf ihre Art

Für Claudia Schatt bedeutet Annehmen nicht Aufgeben. Es bedeutet, mit der Situation zu leben, so gut es eben geht. In ihren Worten: «Ich lebe das Leben. So bin ich.» Es ist ein Satz, der ihre pragmatische Art gut trifft. Keine Dramatik, kein grosses Konzept – einfach ihr Weg, mit etwas umzugehen, das sie sich so nicht ausgesucht hat. «Es ist jetzt einfach», sagt sie. Ein schlichter Satz, der beschreibt, wie sie versucht hat, die Dinge einzuordnen und dabei bei sich zu bleiben.

Die Freundin, die sie weitergetragen hat

Eine enge Freundin spielte in dieser Zeit eine wichtige Rolle. Sie ist selbst schwer an Krebs erkrankt und wird palliativ behandelt. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – war sie eine der klarsten Stimmen in Claudias Umgebung.

 

Claudia erzählt, wie diese Freundin sie während der Chemotherapie immer wieder motivierte, dranzubleiben. Nicht im Sinne von «Kämpfen», sondern im Sinne von: am Leben teilnehmen, nicht komplett in den Rückzug gehen. Mal ein Spaziergang, mal ein Besuch, mal einfach raus aus dem Kopf. Im Rückblick sagt Claudia, dass diese Mischung aus Nähe, Ehrlichkeit und klaren Worten ihr viel gegeben hat.

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Mal ein Spaziergang, mal ein Besuch, mal einfach raus aus dem Kopf.

Betreuungsteam und Organerhalt – eine Entscheidung, die zu ihr passte

Währenddessen wurde medizinisch viel abgeklärt. Dr. med. Daniel Helbling und Dr. med. Cristina Picardi führten sie durch diese Zeit – ruhig, strukturiert, gut verständlich. Sie wusste: Da hört jemand zu, da wird nichts über ihren Kopf hinweg entschieden.

Die Möglichkeit eines dauerhaften Stomas stand kurz im Raum. Für Claudia war schnell klar, dass sie diesen Weg nur schwer akzeptieren könnte. Nicht aus Trotz – sondern weil es sich für sie persönlich nicht richtig anfühlte. Da die Voraussetzungen passten, entschied man sich gemeinsam für eine Radiochemotherapie inklusiv Papillon-Bestrahlung. Eine lokale, innerliche Bestrahlung, die den Tumor direkt behandelt und das Gewebe darum herum schont.

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Da hört jemand zu, da wird nichts über meinem Kopf hinweg entschieden.

Sie vertrug die Therapie erstaunlich gut. Kaum Nebenwirkungen, viel Alltag, wenig Einbruch. Für sie war das eine grosse Erleichterung.

Heute – und was noch kommen darf

Heute geht es ihr gut. Sie sagt, dass ihre Lebensqualität hoch ist. Sie kennt ihren Körper besser als früher, hört genauer hin und weiss, was ihr guttut. Sie schaut nicht zurück, um Antworten zu finden. Sie schaut eher nach vorne:

Es gibt Reisen, die sie gerne noch machen möchte. Eine Safari steht weit oben. Und vielleicht, sagt sie, dürfte sie manchmal etwas mutiger werden – ihre Komfortzone ab und zu ein kleines Stück erweitern. Nicht aus Prinzip. Sondern weil sich das Leben seit der Erkrankung anders anfühlt: bewusster, direkter, aber immer noch ihres.

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