Von 150 Menschen in einem vollen Zürcher Tram werden – statistisch gesehen – rund 22 im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Jung und alt, Stadtmenschen und Landbewohnerinnen, Lehrerinnen, Köche, Hundeliebhaberinnen, Kunstfans oder AC/DC-Hörer – quer durch alle Schichten, Berufe und Lebensentwürfe. Der einzige gemeinsame Nenner: die Diagnose Krebs.
Und manchmal fühlt sich diese Diagnose an wie ein Mantel, den man plötzlich trägt – sichtbar für alle. Alles, was darunter liegt, scheint für andere unsichtbar zu werden. Wie gelingt es, sich selbst wieder als ganze Person zu spüren? Darüber sprechen wir mit Sibylle Wasserfallen, selbstständige Psychoonkologin.
E.A.: Frau Wasserfallen, viele sagen: «Seit der Diagnose habe ich das Gefühl, alle sehen nur noch die Krankheit.» – Was steckt hinter diesem Gefühl?
Sibylle Wasserfallen: Das höre ich sehr oft. Mit einer Krebsdiagnose verschiebt sich der Fokus – medizinisch, organisatorisch, emotional. Viele erleben, dass sie von ihrem Umfeld plötzlich nur noch als Patient:in gesehen werden. Aber Denken, Fühlen und Handeln – das macht den Menschen aus. Die Krankheit ist nur ein Teil davon, nicht das Ganze.