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03.23.2026

Leben

Leben mit Brustkrebs

Das Leben besteht aus Weggabelungen –ich entscheide.

Als Lilo McShine im Oktober 2024 zum zweiten Mal die Diagnose triple-negativer Brustkrebs erhält, zieht es ihr für einen Moment den Boden unter den Füssen weg. Dann trifft sie eine Entscheidung – nicht über die Krankheit, aber über ihre Haltung ihr gegenüber.

24 Stunden

«Warum ich? Warum wieder?» Als die Diagnose kommt, gibt sich Lilo McShine 24 Stunden. 24 Stunden, in denen alles da sein darf: Wut, Traurigkeit, Zweifel. Danach trifft sie eine Entscheidung. Nicht über die Krankheit – die konnte sie nicht wählen. Aber über ihre Einstellung. «Schicksalsschläge sind Weggabelungen. Man entscheidet sich. Auch wenn es schwer ist, hat man eine gewisse Freiheit.»

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Warum ich? Warum wieder?

Menschen, Gespräche und Tiefe

Lilo ist Kosmetikerin – ein Beruf, den sie mit Leidenschaft ausübt. Sie arbeitet mit Haut, mit Berührung, mit dem Sichtbaren. Wer mit ihr spricht, merkt jedoch schnell, dass es ihr nie um die Oberfläche ging.

Geboren 1965, aufgewachsen in Schlieren, beschreibt sie sich selbst als bodenständig. Als Kind war sie eher zurückhaltend. Die roten Haare, die später zu ihrem Markenzeichen wurden, empfand sie damals als störend. In der Schule war sie aufmerksam, neugierig und kreativ.

Nach dem KV arbeitete sie in Anwaltskanzleien und später auf einer Bank. Ein sicherer Weg – und doch spürte sie früh, dass er nicht ihr einziger bleiben würde. «Ich wollte schon immer am Menschen arbeiten. Etwas Kreatives, aber nichts Oberflächliches.»

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Mein Markenzeichen – die roten Haare – empfand ich als Kind störend.

Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Kosmetikerin. Doch schon während der Ausbildung merkte Lilo, dass sie eine andere Vorstellung von diesem Beruf hatte. Es ging ihr nicht ums Schminken und Stylen, nicht um Produkte oder ein standardisiertes Schönheitsideal. Im Mittelpunkt stand für sie der Mensch, der vor ihr sass – und das, was unter der Haut lag. Diese Haltung blieb.

Die erste Diagnose: 2006

 

Ihre erste direkte Begegnung mit Krebs hatte Lilo nicht bei sich selbst, sondern bei einer Kundin. Die Frau war 32 Jahre alt und starb später an ihrer Krebserkrankung. Für Lilo war das ein einschneidender Moment.

Kurz darauf, im Jahr 2006, sass sie am Küchentisch und las im Tages-Anzeiger einen Artikel über Brustkrebsvorsorge. Sie tastete sich ab – und spürte einen Knoten. «Sofort waren meine Kinder in meinem Kopf.»  Ihre Tochter war sieben, ihr Sohn zehn Jahre alt.

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Sofort waren meine Kinder in meinem Kopf.

Der Ultraschall bei der Gynäkologin war unauffällig. Doch Lilo hatte ein Gefühl, das sie bis heute als ‚auf der Zunge‘ beschreibt. Sie bestand auf weiteren Abklärungen, wurde an ein Brustzentrum überwiesen und zunächst nicht ernst genommen. Eine Biopsie bestätigte schliesslich, was sie selbst gespürt hatte: triple-negativer Brustkrebs.

Es folgten Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Mit einer Kühlhaube konnten ihre Haare mehrheitlich erhalten bleiben. Sie arbeitete während der Therapie weiter; nur das engste Umfeld wusste Bescheid. «Zum Glück habe ich Krebs – und nicht meine Kinder.»

Der Rückfall: 2024

Bis Oktober 2024 blieb Lilo krebsfrei. In den Ferien holte sie sich einen leichten Sonnenbrand auf dem Dekolleté. Und dann war es wieder da – dieses Gefühl, das sie schon einmal gekannt hatte. Dazu ein Stechen in der Brust. Noch am selben Tag wurde sie untersucht, die Biopsie folgte sofort. Wenige Tage später das Ergebnis: wieder triple-negativer Brustkrebs.

Dieses Mal kam sie auf Empfehlung ins Onkozentrum Zürich. Ihr behandelnder Arzt, Dr. med. Daniel Helbling, begegnete ihr auf Augenhöhe. «Ich wollte ernst genommen werden. Mitdenken dürfen. Mitentscheiden.»

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Ich wollte ernst genommen werden. Mitdenken dürfen. Mitentscheiden.

Die zweite Behandlung war anspruchsvoller. Zur Chemotherapie kam eine Immuntherapie hinzu, die Nebenwirkungen waren stärker, die Erschöpfung deutlicher. Und diesmal fielen die Haare aus. «Einen Tag lang habe ich wirklich geweint. Ich habe um meine Haare getrauert.»

Am nächsten Tag rief sie eine Nachbarsfreundin an und bat sie, ihr die Haare abzuschneiden. Wieder eine Entscheidung, die sie selbst traf.

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Einen Tag lang habe ich wirklich geweint. Ich habe um meine Haare getrauert.

Krebs ist keine moralische Frage

Was sie während der Therapie zusätzlich herausforderte, waren Bemerkungen aus dem Umfeld: «Krebs kommt nicht einfach so» oder «Vielleicht warst du nicht positiv genug.» Natürlich habe sie sich gefragt, ob sie etwas falsch gemacht hatte. Heute sagt sie klar: Krebs ist keine moralische Frage. Er ist keine Strafe. Und er ist kein Zeichen für falsches Denken.

Heute: die Stille nach der Therapie

Lilo hat die letzte Therapie hinter sich. «Und plötzlich ist es still. Man steht ein bisschen im luftleeren Raum.»

Die Angst ist nicht verschwunden, aber sie ist auch nicht omnipräsent. Die Frage, ob es wiederkommen könnte, begleitet sie – eher als Respekt vor dem Krebs denn als lähmende Angst. «Ich kann nicht entscheiden, was passiert. Aber wie ich damit umgehe – das entscheide ich selbst.»

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Ich kann nicht entscheiden, was passiert. Aber wie ich damit umgehe – das entscheide ich selbst.

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