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06.04.2026

Leben

Diagnose EP-NEK

Zwischen dem, was war – und dem, was noch kommt

Krebs macht keine Ausnahmen. Er trifft Menschen mitten im Leben. Menschen mit Plänen, mit Tempo, mit Verantwortung. Markus Bours ist einer von ihnen. Er lebt mit einer seltenen, aggressiven Form von Krebs: dem EP-NEK.

Was man auf den ersten Blick sieht, ist die neongelbe Brille. Markus Bours, Jahrgang 1969, ist fast immer mit dem Handy unterwegs. «Mein Arbeitsgerät. Mein zweites Hirn», sagt er. Die Brille fällt auf. Und sie passt zu ihm: offen, direkt, kommunikativ. So beschreiben ihn auch Menschen aus seinem Umfeld.

Markus wirkt präsent. Wach. Und gleichzeitig ist da etwas, das man nicht sofort greifen kann. Eine Tiefe.

Was man sieht: einen grossen, sportlichen Mann, fit, mitten im Leben. Was man nicht sieht: dass die letzten zwei Jahre für ihn alles verändert haben.

Das Leben vor der Diagnose

Im Gespräch wird schnell klar: Markus ist Unternehmer. Mit Herz und mit Tempo. Schon früh hat er begonnen, eigene Wege zu gehen. IT-Lösungen, Managementfragen, Prozesse – dort ist er zu Hause. Er denkt in Möglichkeiten. Sieht Probleme – und gleich auch Lösungen.

Er ist Vater von zwei Kindern. Und jemand, der sich selten mit dem Einfachen zufrieden gibt.

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Still sitzen und dem Gras beim Wachsen zuschauen – das ist nichts für mich.

„Still sitzen und dem Gras beim Wachsen zuschauen – das ist nichts für mich“, sagt er. „Auch wenn es mir eigentlich verschrieben worden wäre.“ Die Energie ist spürbar. Fast so, als würde sie alles überdecken. Auch die Diagnose, die vor etwas mehr als zwei Jahren kam: ein EP-NEK.

Ein EP-NEK (auch: EP-NEC) ist eine seltene Form von Krebs. Die Abkürzung steht für extra-pulmonales neuroendokrines Karzinom. Der Tumor entsteht aus neuroendokrinen Zellen, die in verschiedenen Organen vorkommen – zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt oder in der Bauchspeicheldrüse. „Extra-pulmonal“ bedeutet: Der Tumor entsteht nicht in der Lunge.

Diese Tumorform wächst oft schnell und wird deshalb meist mit systemischen Therapien wie Chemotherapie behandelt. Da die Erkrankung selten ist, sind viele Fragen zur optimalen Behandlung und Prognose noch nicht abschliessend geklärt.

Ein kurzer Stillstand

 

Die Diagnose war für Markus nicht nur ein Einschnitt. Sie war auch eine Erklärung. «Ich kämpfte schon länger mit wenig Energie und einer tiefen Müdigkeit», sagt er. Zunächst stand ein Burnout im Raum. Für ihn fühlte sich das nie ganz richtig an.

Er begann, Dinge loszulassen. Mandate. Aufgaben. Rollen. Seine Fünfjahrespläne. Sein politisches Engagement. «Das war ganz schwer für mich.»

Für jemanden, der gewohnt ist, mit Tempo durchs Leben zu gehen, ist ein solcher Stillstand mehr als eine Pause. Er hinterlässt Spuren.

Die Suche nach Gewissheit

Mit der Diagnose kam auch eine klare Frage: Wie viel Zeit bleibt? Markus entschied sich für die Behandlung im Onkozentrum Zürich, bei Dr. med. Saskia Henrich. «Ich wollte wissen, wie lange ich noch zu leben habe», sagt er.

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Ich wollte wissen, wie lange ich noch zu leben habe?

Eine eindeutige Antwort erhielt er nicht. Bewusst nicht. Rückblickend war das für ihn richtig.

Denn heute lebt er länger, als es anfängliche Einschätzungen vermuten liessen. Die Datenlage zu seiner Erkrankung ist begrenzt. Vieles bleibt unsicher. Für Markus wurde genau das zum Antrieb. Er begann zu recherchieren. Suchte den Austausch mit anderen Betroffenen. Fand in den USA eine Selbsthilfegruppe, die ihm Halt und Perspektive gibt.

Und er hat sich ein neues Ziel gesetzt: eine solche Gruppe auch in der Schweiz aufzubauen. Eine Aufgabe. Ein nächster Schritt.

Leben im Spannungsfeld

Wenn man mit seiner Frau spricht, hört man: Im Kern ist Markus derselbe geblieben. Er ist weiterhin schnell unterwegs. Mit Tempo 180. Engagiert. Aktiv.

Sport spielt eine wichtige Rolle. «Das Schwimmen und Mountainbiken hilft mir sehr», sagt er. Es ist für ihn mehr als Bewegung. Es ist ein Gradmesser: Wie geht es meinem Körper heute?

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Foto: Patrick B. Krämer / MAGICPBK

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Das Schwimmen und Mountainbiken hilft mir sehr.

Seine Therapie ist anspruchsvoll. Alle zwei Wochen erhält er eine intensive Behandlung. Danach folgt ein Einbruch. «Es zieht mir den Boden unter den Füssen weg», sagt er. Er schläft viel. Ist erschöpft. Erst nach zwei, drei Tagen kehrt langsam Bewegung zurück. Dann beginnt er wieder aufzubauen. Schritt für Schritt.

Früher ging er schneller an seine Grenzen. Heute weiss er: Der Körper gibt das Tempo vor. Und doch bleibt etwas bestehen. Der Anspruch an sich selbst. Der Drang nach Leistung.

«Ich ärgere mich, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte», sagt er. «Dann gehe ich auch meinem Umfeld auf den Geist.» Und was ist heute ein guter Tag? «Wenn ich Energie ablassen kann.» Früher war es der Sport. Heute ist es ihm egal, wie – Hauptsache, sie ist weg.

Diese Energie sieht Markus auch als Teil seiner Geschichte. Als etwas, das ihn immer angetrieben hat – und das seinem Körper vielleicht zu wenig Ruhe gelassen hat.

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Die Zeit, die wir haben, verbringen wir dann auf Mallorca in unserer Ferienwohnung!

Was bleibt – und was sich verschiebt

Und doch hat sich etwas verändert. Zeit hat einen anderen Wert bekommen. Er verbringt sie bewusster – mit seiner Familie, mit Freunden. Er lernt Spanisch. «Die Zeit, die wir haben, verbringen wir dann auf Mallorca in unserer Ferienwohnung!»

Und er plant wieder. Nicht mehr in Jahren. Sondern in Etappen. Im Rhythmus von sechs bis zehn Wochen.

Konzerte.
Restaurantbesuche.
Ausflüge.
Familienzeit.

Und wenn er seinem früheren Ich etwas sagen könnte? Dann vielleicht das, was ihm sein Sohn einmal gesagt hat: «Chills doch mal biz, Papi.»

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Mein Sohn hat mir mal gesagt: Chills doch mal biz, Papi!

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